Der Kurssturz von Silber und Gold hat zu einigem Gekreische an den Märkte geführt. Der Absturz von Silber war historisch – der vorherige Anstieg allerdings auch. So wundert mich die Entwicklung nicht. Während der Silberpreis von der Klippe gestürzt ist, sind die Kurse von Bitcoin und Software-Aktien über Wochen und Monate hinweg abgebröckelt. Man scheint sich an diese Entwicklung gewöhnt zu haben. Die Eigentümer weinen im Stillen. Auf Grund der Popularität unter Privatanlegern wird regelmäßig darüber in den Medien berichtet.
Über die Preisentwicklungen an den Agrar-Rohstoffmärkten wird weniger oft berichtet; und meistens erst dann, wenn die Lebensmittelpreise im Supermarkt gestiegen sind und sich der Konsument darüber beklagt. Oder auch bei größeren Ernteausfällen, die enorme Preissteigerungen nach sich ziehen. Damit verbunden wird häufig die kritische Frage gestellt, welchen Einfluss Spekulanten an diesen Preiseskapaden haben.
Investments in Agrarrohstoffe sind für Privatanleger eher eine Nische. Für langfristige Investitionen sind sie nicht empfehlenswert. Die Kosten sind hoch und die langfristige Wertentwicklung war zumindest in der Vergangenheit schlecht. Dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit enttäuschend war, lag daran, dass im Großen und Ganzen das Angebot bzw. die Produktion mit der Nachfrage mithalten konnte. Zwar wird immer wieder schwarz gesehen und dabei auf die zunehmende Weltbevölkerung und die abnehmenden Anbauflächen verwiesen. Es hat sich aber gezeigt, dass wir die Erträge auch durch technologische Entwicklungen deutlich steigern konnten. Trotz stark angestiegener Weltbevölkerung hat die Menschheit den Hunger drastisch reduzieren können. Ich bin optimistisch, dass das auch in Zukunft der Fall sein wird.
Kursstürze verunsichern. Ist man selbst investiert, so sorgen sie für allerhand negative Gedanken, Unsicherheit und Panik. In Zucker und Kakao sind die meisten Privatanleger vermutlich nur als Konsument in vernachlässigbarem Umfang investiert: über den zu Hause gelagerten Zucker, die Schokolade und den Trinkkakao. Einige wenige haben vielleicht noch dazu Aktien von Südzucker im Depot. Die waren schon immer sehr spekulativ. Langfristige Aktionäre sind also Kursschwankungen und Kummer gewohnt.

Der Preis für Zucker ist an der Terminbörse im Ende 2022 und Anfang 2023 in die Höhe geschossen. Begründet wurde der Preisanstieg mit Ernteausfällen, gestiegenen Produktionskosten, Konkurrenz durch die alternative Verarbeitung zu Bioethanol (in Folge gestiegener Energiepreise) und einem Exportverbot von Zucker in Indien.

Ziemlich genau ein Jahr später schoss der Kakao-Preis in die Höhe. Als Gründe hierfür werden Ernteausfälle durch Wetterextreme aufgeführt, sowie die Klassiker, die bei solchen Preissteigerungen immer genannt werden: hohe Produktionskosten und eine steigende globale Nachfrage. Je nach politischer Einstellung des Journalisten sollen auch Spekulanten mehr oder weniger dafür verantwortlich sein.

Die Preise sind fast so schnell gefallen, wie sie zuvor gestiegen sind. Aktuell liegen sie etwas höher als im langjährigen Mittel – ich vermute, dass sie dahin zurückkehren werden. Schokolade und Backkakao dürften also wieder günstiger werden. In meinem örtlichen Discounter kostet Backkakao in der 250 g Packung aktuell 4,29 €. Die letzte Packung, die ich mir gekauft habe, hatte 1,59 € gekostet.
Sofern die Rohstoffpreise auf diesem Niveau bleiben oder weiter fallen, dürften sich die gefallenen Preise auch im Supermarkt und insbesondere im Weihnachtsgeschäft deutlich bemerkbar machen. Manch einer war im letzten Jahr von den Preisen für Dominosteinen und Lebkuchen irritiert. Die Dominosteine, die ich hin und wieder früher gekauft hatte, kosteten fast das Vierfache. Der irritierte Konsument konnte die Gründe dafür anschließend in der Zeitung gelesen. Mit den gestiegenen Preisen für Zucker und Kakao lässt sich der Preisanstieg allerdings nur zum Teil erklären. Zucker ist zwar die Hauptzutat; der Preis hatte sich zur Zeit der Produktion aber schon wieder etwas normalisiert. Vermutlich hatten die Hersteller noch teuer eingekauften Zucker auf Lager. Der Kakaopreis dürfte zumindest bei Dominosteinen eine nachrangige Rolle spielen, weil der Schokoladenanteil gering ist. Es muss noch andere Gründe geben. Ich vermute, dass die Schokoladen-Preise wieder fallen werden; zu denen von vor fünf Jahren aber wahrscheinlich nicht. Vielleicht wird dann Milka-Schokolade wieder in der 100 g Packung verkauft statt in der 90 g Mogelpackung.
Der vorausschauende Konsument kann sich schon jetzt über niedrigere Preise bei Weihnachtsnaschereien freuen, die er ab Ende August im Supermarkt kaufen kann.
