Notgroschen: Geld für Notfälle

Der Notgroschen – Geld für Notfälle: Wozu, wie und in welcher Höhe?

Der Notgroschen ist eine Rücklage für unvorhergesehen Ereignisse, Notfälle oder schlechte Zeiten; er ist eine Art Versicherung. Er schützt vor finanziellen Schieflagen, bietet Sicherheit und Handlungsfähigkeit. Wenn die Umstände schon mies sind, dann ist es wenigstens gut, wenn du dir keine Sorgen ums Geld machen musst!

Bevor du Geld in Festgeld, Aktien oder andere Anlagen investiert, solltest du einen Notgroschen angespart haben. Erst danach folgt das Thema Geldanlage.

Warum der Notgroschen wichtig ist

Der Notgroschen verhindert, dass du in Stresssituationen zahlungsunfähig wirst und schlechte finanzielle Entscheidungen triffst – und so zum Beispiel teure Erbstücke zum Pfandleihhaus bringen musst, weil du anderweitig kein Geld auftreiben kannst. Er schützt vor der Aufnahme teurer Kredite oder dem vorzeitigen Verkauf von langfristigen Geldanlagen. Zudem nimmt er dir finanziellen Druck und Sorgen. Auch ein Jobwechsel fällt damit einfacher.

Anforderungen an den Notgroschen und Lagerung

Der Notgroschen sollte jederzeit verfügbar und wertstabil sein: Festverzinsliche, risikobehaftete bzw. im Wert schwankende Geldanlagen sind ungeeignet. Das Geld sollte separat aufbewahrt werden, um es von den täglichen Ausgaben zu trennen.

Die Lagerung unter dem Kopfkissen ist naheliegend, erfüllt die Anforderungen aber nur bedingt. Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist: Das Geld könnte bei einem Einbruch gestohlen oder bei einem Brand vernichtet werden. Deine Hausratversicherung wird den Verlust wahrscheinlich nicht ersetzen. Zudem bekommst du keine Zinsen auf Geld, dass du zu Hause lagerst. Es verliert dadurch nach und nach an Kaufkraft.

Für die Aufbewahrung des Notgroschens bietet sich deswegen ein Tagesgeldkonto an. Die Verzinsung gleicht annähernd die Inflation aus, wodurch dein Geld seine Kaufkraft behält. Ein weiterer Vorteil ist, dass es eine gewisse – wenn auch geringe – Mühe erfordert, an das Geld heranzukommen. Dieser Umstand schützt dich vor vorschnellen Entscheidungen, den Notgroschen anderweitig zu verwenden.

Manche Banken bieten Unterkonten im Rahmen ihrer Girokonten an. So ein Unterkonto ist für den Notgroschen auch geeignet. Der Nachteil ist allerdings, dass die Verzinsung auf Girokonten meistens deutlich niedriger ist als auf Tagesgeldkonten.

Von einem separaten Girokonto rate ich ab, weil es in den allermeisten Fällen Gebühren kostet und die Verzinsung sehr niedrig ist, sofern die Einlagen überhaupt verzinst werden.

Wenn du diszipliniert bist und im Kopf den Notgroschen vom Rest trennen kannst, spricht nichts dagegen, den Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto vom Wertpapierdepot (Referenzkonto) oder auf dem Girokonto zu lagern. Es braucht also nicht unbedingt ein zusätzliches Konto für den Notgroschen. Ich finde sogar, dass man mit jedem zusätzlichen Konto die Übersicht verliert.

Eine Alternative zum Tagesgeld sind Geldmarkt-ETFs. Die sind etwas höher verzinst als die meisten Tagesgeldkonten. Zu beachten ist dabei, dass beim Kauf und Verkauf Transaktionskosten fällig werden. Die Lagerung eines Teils des Notgroschens in einem Geldmarkt-ETF bietet nur dann einen Vorteil, wenn der persönliche Notgroschen relativ hoch ist und du davon ausgehst, dass du ihn nur sehr selten oder nie benötigen wird.

Wie hoch sollte der Notgroschen sein?

Oft wird ein Notgroschen in Höhe von drei bis sechs Monatsausgaben oder auch Monatsgehältern empfohlen. Die Empfehlung wird meistens nicht begründet, ist zu pauschal und unspezifisch. Wie so oft kommt es auf die persönlichen Umstände an:

  • Arbeitsverhältnis und Jobsicherheit
  • Einkommensstruktur
  • Familienstand
  • Wohnsituation
  • abgeschlossene Versicherungen
  • Fixkosten
  • Sicherheitsempfinden
  • Schusseligkeit, Streitsucht, Verpeiltheit, usw.
  • Flexibilität
  • Opportunitätskosten


Stell dir zur Einschätzung der Höhe folgende Fragen.
Was passiert und welche Kosten kommen auf dich zu, wenn:

  • deine Wohnung abbrennt oder durch Explosion, Wasserrohrbruch oder andere Katastrophen unbewohnbar wird?
  • dein Auto (Fahrrad, Motorrad) abbrennt, demoliert oder geklaut wird?
  • ein Elternteil von heute auf morgen pflegebedürftig wird oder deine Eltern bei einem Autounfall sterben?
  • du selbst an etwas erkrankst und mehrere Monate nicht arbeitsfähig bist und ggf. auf Hilfe angewiesen bist?
  • du fristlos gekündigt wirst?
  • dir bei Selbstständigkeit ein oder mehrere Kunden keine Rechnungen begleichen oder dir keine neuen Aufträge geben?
  • dein Vermieter oder Energielieferant eine Nachzahlung im vierstelligen Bereich von dir verlangt?
  • dein Partner oder dein Kind erkrankt und du dich mehrere Monate lang um sie/ihn kümmern musst?
  • deine Beziehung in die Brüche geht?
  • du unerwartet mehrere tausend Euro an Steuern nachzahlen sollst?
  • jemand Schadensersatz von dir wegen irgendeiner Sache fordert?
  • du einen Anwalt benötigst, weil dich jemand verklagt hat?
  • du Haus- oder Wohnungseigentümer bist und eine außerplanmäßige, größere Reparatur ansteht?
  • du Vermieter bist, dein Mieter nicht mehr zahlt oder die Wohnung verwüstet hat und spurlos verschwunden ist?

Alles Aufgezählte möchte man nicht und vieles ist unwahrscheinlich. Dennoch kann es eintreffen: Man hört und liest davon – und denkt sich, dass das einem selbst nie passiert kann und wird … bis man sich selbst in der Situation befindet.

In vielen Fällen greifen entsprechende Versicherungen; manchmal allerdings nicht umgehend, sondern erst nach Wochen oder Monaten. Für die Zeit benötigst du einen Notgroschen als finanziellen Puffer.

In Deutschland lebt es sich in finanzieller Hinsicht vergleichsweise sicher: Wenn zum Beispiel dein Arbeitgeber Insolvenz anmeldet, erhältst du Insolvenzgeld in Höhe deines Nettoeinkommens. Bei einer Kündigung erhältst du – sofern du Anspruch darauf hast – Arbeitslosengeld in Höhe von 60% deines Nettoeinkommens, bzw. 67%, wenn du Kinder hast. Bei einer fristlosen Kündigung oder Kündigung deinerseits musst du eine Sperrzeit von drei Monaten überbrücken. Bei längerer Krankheit zahlt dein Arbeitgeber sechs Wochen dein Gehalt weiter; danach springt die Krankenkasse ein und zahlt 70 % des regelmäßig erzielten Bruttoarbeitsentgelts. Die staatliche Absicherung für Angestellte ist deutlich umfangreicher als die von Selbstständigen. Selbstständigen sei daher ein größerer Notgroschen empfohlen, neben privaten Versicherungen oder freiwilligen Beiträgen zu gesetzlichen Versicherungen.

Als grober Richtwert sind bei sicheren Verhältnissen 2 bis 3 Monatsausgaben oder Monatsnettogehälter für den Notgroschen oft ausreichend; bei unsicheren Verhältnissen sollten es 6 bis 12 sein.

Je mehr man hat, desto flexibler und sicherer lebt es sich; allerdings kostet diese Flexibilität und Sicherheit Geld in Form von Opportunitätskosten. Sicherheit kostet Geld! Zu hohe Rücklagen sind im Sinne des Vermögensaufbaus und -Erhalts nicht sinnvoll. Das Geld könntest du renditeträchtiger anlegen anstatt es für alle möglichen Notfälle auf dem Konto liegen zu lassen. Es ist also auch nicht zu empfehlen, zu pessimistisch an die Sache heranzugehen und für jede mögliche Katastrophe additiv Geld beiseite zu legen.

Monatsausgaben oder Monatsgehälter?

Manche empfehlen einen Notgroschen in Höhe von x Monatsausgaben, andere von x Monatsgehältern. Die Orientierung am Monats(netto-)gehalt ist einfacher. Orientierst du dich zur Festlegung des Notgroschens an den Monatsausgaben, musst du diese wissen. Dazu solltest du ein Haushaltsbuch führen oder zumindest einmal im Jahr die Ausgaben zusammentragen und dich über die eigenen Lebenshaltungskosten bewusst werden.

So oder so: Es ist zu berücksichtigen, dass sich die Ausgaben zum Beispiel in Folge einer fristlosen Kündigung ändern können. Wenn du gesetzlich krankenversichert bist, musst du dann selbst mindestens um die 250 € in die Krankenkasse einzahlen, während der Beitrag zuvor von deinem Bruttogehalt abgezogen wurde und damit keine Abbuchung vom Konto erfolgte.

Sicherheit frisst Rendite: Opportunitätskosten des Notgroschens

Geld auf dem Tagesgeldkonto wird nur gering verzinst – im besten Fall leicht über der Inflationsrate, sodass damit langfristig zumindest kein Kaufkraftverlust einhergeht. Das Geld könnte aber auch höher verzinst angelegt werden.

Der Notgroschen in Höhe von 10.000 € wirft bei 2% Verzinsung auf dem Tagesgeld 200 € Zinsen im Jahr ab. In Festgeld angelegt könnten diese 10.000 € bei 4% Verzinsung 400 € abwerfen und bei einer Investition am Aktienmarkt langfristig 6 bis 12 %, also 600 bis 1.200 €. Der entgangene Gewinn wird als Opportunitätskosten bezeichnet und beträgt in dieser Beispielrechnung jährlich zwischen 200 bis 1.000 €.

Über mehrere Jahre hinweg und unter Berücksichtigung des Zinseszinseffekts kostet der Notgroschens einen erheblichen entgangenen Gewinn. Wenn du den Notgroschen als Versicherung verstehst, dann entspricht der entgangene Gewinn einer Versicherungsprämie. Dessen solltest du dir bewusst werden, um nicht unnötig Geld für Notfälle vorzuhalten, die vielleicht nie eintreten werden. Daher ist es für die Höhe des Notgroschen wichtig zu wissen, welche Kosten auf einen zukommen könnten und wie wahrscheinlich das ist – also welche persönlichen Risiken du mit dir herum trägst. Sich seiner Risiken bewusst zu sein ist ohnehin sinnvoll.

Einmal angenommen, du hast schon ein nennenswertes Vermögen aufgebaut und erhältst daraus regelmäßig (im besten Fall täglich) Dividenden, Zinsen, Mieteinkünfte etc. Dieser Einkommensstrom kann eine ähnliche Sicherheit und Flexibilität bieten wie ein Notgroschen, sofern die laufenden Erträge daraus hoch genug sind. Die Einkommensstruktur spielt also auch eine Rolle bei der Bestimmung der Höhe des Notgroschens – wobei der Notgroschen in einem solchen Fall nur noch einen vernachlässigbarer Anteil am Gesamtvermögen ausmacht und diese Betrachtung nur noch eine Überoptimierung darstellt.

Festzuhalten bleibt: Sicherheit kostet Rendite und bremst den Vermögensaufbau. Der Notgroschen sollte deswegen nicht zu hoch sein. Auch hier gilt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Daher solltest du im Hinterkopf behalten, dass du in der größten Not, wenn also mehrere persönliche Katastrophen auf einmal eintreten, immer noch – sofern vorhanden – einen Teil deiner liquiden Anlagen wie Aktien oder Anleihen (ggf. in Form von ETFs oder Fonds) schnell verkaufen könntest.

Der Notgroschen ist für Notfälle da

Planbare Ereignisse und Konsum sind keine Notfälle. Steuernachzahlungen, die Renovierung der eigenen Wohnung, der Urlaub, der Kauf neuer Möbel, usw. fallen in diese Kategorien. Dafür werden eigene Spartöpfe gebildet.

Wenn du Vermieter bist, dann bildest du zusätzliche Rücklagen für Reparaturen und Renovierung. Auch wenn die Kosten vorher nicht bekannt sind, so ist doch erwartbar, dass früher oder später in der Wohnung etwas gemacht werden muss. Bist du selbstständig und dein Geschäft brummt, dann bildest du Rücklagen für die Steuernachzahlung. Dass du Steuern nachzahlen musst, sollte klar sein. In dem Fall lässt sich auch die Höhe kalkulieren. In den Jahren 2021 und 2022 wurden viele Haushalte durch hohe Nachzahlungsforderungen ihrer Energieversorger geschockt. Dabei hätten die meisten die gestiegenen Kosten abschätzen können, um entsprechende Rücklagen zu bilden. Solche Schocks sind vermeidbar, sofern man sich dazu Gedanken macht, sich informiert, rechnet und vorsorgt. Wer das aber verpasst hat, war zumindest froh, wenn er einen Notgroschen für solche Zwecke hatte.

Zusammenfassung

Der Notgroschen ist eine Rücklage für unvorhergesehen Ereignisse, Notfälle oder schlechte Zeiten. Er schützt dich vor finanziellen Schieflagen, bietet Sicherheit und Handlungsfähigkeit und nimmt dir finanziellen Druck und Sorgen.

Der Notgroschen sollte jederzeit verfügbar und wertstabil sein. Ein Tagesgeldkonto erfüllt diesen Zweck.

Bei der Bestimmung der Höhe kommt es auf die persönlichen Umstände an. Als grober Richtwert sind bei sicheren Verhältnissen 2 bis 3 Monatsnettogehälter oft ausreichend; bei unsicheren Verhältnissen sollten es 6 bis 12 sein.

Je mehr man hat, desto sicherer lebt es sich. Allerdings kostet diese Sicherheit Geld in Form von Opportunitätskosten. Zu hohe Rücklagen sind im Sinne des Vermögensaufbaus nicht sinnvoll: Du könntest das Geld auch zu einer höheren Rendite anlegen. Befasse dich also mit deinen Risiken (= Eintrittswahrscheinlichkeit x Schaden) und sorge entsprechend vor. Dabei gilt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Sieh den Notgroschen als eine Art Versicherung. Du solltest weder unter- noch überversichert sein. Es ist daher nicht zielführend, zu pessimistisch an die Sache heranzugehen und für jede mögliche Katastrophe additiv Geld beiseite zu legen.



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Kommentare

3 Antworten zu „Der Notgroschen – Geld für Notfälle: Wozu, wie und in welcher Höhe?“

  1. […] Rücklagen für schlechte Zeiten und damit finanzielle Unabhängigkeit und Entspanntheit (siehe Notgroschen) […]

  2. […] Haushaltsbuch bildet zusammen mit einem Notgroschen die Basis für finanzielle Stabilität. Wer seine Einnahmen und Ausgaben im Blick behält, […]

  3. […] werden; und du kannst kontrollieren, ob du liquide genug dafür bist bzw. sein wirst. Mit einem Notgroschen bist du auf der sicheren Seite. Wenn du weißt, dass deine notwendigen Kosten immer gedeckt sind, […]

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