Der Preis für eine Kugel Eis ist in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen und ist der allgemeinen Preissteigerung davongeeilt.

Auch zwischen dem Jahr 2000 und 2015 stieg der Eispreis stärker als der Verbraucherpreisindex. Diese Preissteigerung scheint also kein neues Phänomen zu sein. Und selbst vor 2000 stieg der Eispreis überdurchschnittlich. So lag der Preis für eine Kugel Eis Mitte der 1980er Jahre vielerorts noch bei 30 Pfennig. Anderen Quellen zufolge lag er Anfang der 1980er Jahre bei 25 Pfennig; für eine Deutsche Mark konnte man sich also vier Kugeln Eis leisten. Mit Blick auf die Entwicklung des Eispreises lässt sich auch feststellen, dass er im Zeitverlauf nie gefallen ist. Wenn der Preis einmal erhöht wurde, blieb der Preis auf dem Niveau.
Erklärt wird die Preissteigerung mit gestiegenen:
- Rohstoffpreisen für Zutaten insbesondere bei Milch, Sahne und Zucker
- Stromkosten für Kühlung, Lagerung und Produktion von Eis
- Personalkosten aufgrund des Mindestlohns und allgemeiner Lohnerhöhungen
- Mieten und Nebenkosten insbesondere in den Innenstädten
Der Interessenverband UNITEIS e.V. (Union der italienischen Speiseeishersteller) wies in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2015 darauf hin, dass die Kugeln über die Jahrzehnte an Gewicht zugenommen hätten: „Das handwerklich hergestellte Speiseeis wird nach Gewicht und nicht nach Luft berechnet und das Gewicht einer Eiskugel betrug 1970 z.B. ca. 25-30 g. Heute haben wir Eiskugeln die mindestens 90 g, bis zu 100 g und sogar 120 g wiegen.“
Ich habe den Größenunterschied von drei Kugeln Eis grafisch dargestellt, in der Annahme, dass eine Kugel im Jahr 1970 ein Gewicht von 28 g auf die Waage brachte und 100 g im Jahr 2015. Die Kugeln wären damit um den Faktor 3,6 schwerer geworden (und der Radius hätte sich um den Faktor 1,53 geändert). Ob es so gewesen ist, kann ich nicht beurteilen. In meiner Kindheit in den 1990er Jahren waren die Kugeln meiner Erinnerung nach ähnlich groß wie heute.

Ein weiterer Grund für den langfristigen Preistrend soll sein, dass Eisdielen früher Familienbetriebe waren, in den denen die ganze Familie mitgearbeitet hat und insbesondere Kinder nicht entlohnt wurden. Das ist heute nicht mehr üblich und das Personal muss bezahlt werden.
UNITEIS hat in einer Pressemitteilung im Jahr 2024 den gestiegenen Kugelpreis erneut mit Kostendruck begründet und die folgende Grafik zu den Kostenbestandteilen veröffentlicht:

Die Kostensteigerungen kann man mit den folgenden Grafiken grob abschätzen, wobei das nicht mein Anliegen hier ist. Die Grafiken zeigen die Preisentwicklung für Rohmilch, Zucker, Strom, Miete und Mindestlohn über unterschiedlich lange Zeiträume. Zu beachten ist dabei, dass diese Entwicklungen nur annähernd denen einer Eisdiele entsprechen; so zeigen zum Beispiel die Grafiken zur Strom- und Mietpreisentwicklung die Kosten für Privathaushalte und nicht für Gewerbetreibende, wobei die Entwicklung ähnlich sein dürfte.
Rohmilch und Milchprodukte sind viele Jahre um einen gleichbleibenden Mittelwert geschwankt. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine ist der Preis aus der langfristigen Seitwärtsbewegung ausgebrochen und nicht mehr zum alten „Normal“ zurückgekehrt.

Die Kurve des Zuckerpreises sieht zwar glatter aus, schwankte auf mittel- bis langfristiger Sicht aber stärker als der Milchpreis. 2019 lag der Zuckerpreis am Boden, seitdem stieg er erst langsam und nach Kriegsbeginn rasant an. Ende 2024 fiel er wieder rapide und ist nun zum „normalen“ Niveau zurückgekehrt.

Auch die Stromkosten sind 2021 stark gestiegen, sind aber wieder etwas zurückgekommen.

Der Mindestlohn ist von Anfang 2020 bis 2025 um 33 % gestiegen – zufällig genauso stark wie der Eispreis. Man kann davon ausgehen, dass das Aushilfspersonal in vielen Eisdielen mit dem Mindestlohn bezahlt wird oder sich die Entgeltentwicklung zumindest daran orientiert. Fachkräfte werden höher bezahlt, wie der Tarifvertrag von UNITEIS in Nordrhein-Westfalen zeigt.

Auch die Mieten sind über die Jahre gestiegen. Die Abbildung zeigt die Preisentwicklung von Wohnungsmieten. Eisdielen mieten zwar kleinere Gewerbeflächen; die Entwicklung dürfte aber ähnlich sein.

Preissteigerungen bei Eis am Stiel
Auch Eis am Stiel ist über die Jahrzehnte stark im Preis gestiegen, was man mittels alter Eiskarten belegen kann. Die Firma Koller Media hat Eskimo Eiskarten von 1965 bis 2008 auf ihrer Webseite veröffentlicht. Eskimo ist die Eis-Marke von Unilever, die in Deutschland Langnese heißt. Die Karten zeigen die Preise in österreichischen Groschen und Schilling bis zur Bargeld-Euro-Umstellung am 1.1.2002.

Die Zeitung Der Standard hat darauf aufbauend die Preisentwicklung von bekannten Sorten untersucht und auch mit der allgemeinen Preissteigerung und der Lohnentwicklung verglichen. Zwischen 1960 und 1990 sind die Löhne deutlich stärker gestiegen als der Eispreis und im Vergleich zum allgemeinen Preisniveau. Man konnte sich also für seine Arbeit immer mehr Eis (oder andere Produkte leisten). Ab dem Jahr 2002 zog der Eispreis an, während die Löhne weniger stark stiegen. Zu beachten ist bei den Grafiken, dass eine lineare und keine logarithmische Skala gewählt wurde, was solche Feststellungen bei solchen langen Zeitreihen erschwert.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat bekannte Eissorten mit dem Einkommen verglichen und errechnet, wie lange Bundesbürger im Schnitt dafür arbeiten müssen. Die Grafik zeigt dabei einen Vergleich zwischen der nötigen Arbeitszeit im Jahr 2000 und 2025. Besonders Capri-Eis ist überdurchschnittlich stark im Preis gestiegen. Für ein Capri Eis muss man im Jahr 2025 fast doppelt so lange arbeiten wie noch im Jahr 2000. Für Nogger und Magnum musste man etwas mehr arbeiten, für Domino und Cornetto hingegen weniger.

Preissteigerungen vs. Einkommenssteigerung
Preissteigerungen sollten nie isoliert betrachtet werden – allein betrachtet sagen sie nicht viel aus. Wichtiger ist die Klärung der Frage, wie viel man sich leisten kann bzw. wie lange man dafür arbeiten muss. Deswegen sollte auch die Einkommensentwicklung berücksichtigt und mit der Preissteigerung verglichen werden. Die obige Grafik vom IW zeigt diesen Zusammenhang für abgepacktes Eis. Im Jahr 2025 musste man für einige Sorten also mehr arbeiten, für andere etwas weniger. Capri-Eis sticht mit einer besonders schlechten Entwicklung hervor.
Bei der Kugel Eis hat sich das Verhältnis deutlich schlechter für die Konsumenten entwickelt. Der Preis einer Kugel ist deutlich stärker gestiegen als die Löhne. Im Jahr 2024 musste ein durchschnittlicher Konsument 1,88-mal länger arbeiten für eine Kugel Eis als noch im Jahr 2000. Der Eispreis ist um den Faktor 3,17 gestiegen, während die Löhne nur um den Faktor 1,68 gestiegen sind.

Fazit: Eis ist kostspieliger geworden
Kugeleis ist teurer geworden, nicht nur nominal, sondern auch real. Für viele Konsumenten, die gerne in der Stadt, im Park oder am See ein, zwei, oder drei Kugeln Eis essen, ist das ärgerlich. Ist man zu viert unterwegs und jeder nimmt zwei Kugeln, muss man dafür heute vielerorts 16 € berappen, in manchen Gegenden sogar 20 €. Gerade als Familie macht sich das heute stärker als früher in der Geldbörse bemerkbar. Das ist ärgerlich! Manche wünschen sich beim Bezahlen die gute alte Zeit zurück, als man fürs gleiche Geld das Doppelte, Dreifache oder gar Vierfache bekommen hat – je nachdem, wie alt man selbst ist und welche Preise man von früher noch in Erinnerung hat. Man sollte sich allerdings auch daran zurückerinnern, dass man damals höchstwahrscheinlich auch weniger verdient hat. Dennoch bleibt festzustellen, dass der Eispreis deutlich stärker gestiegen ist als das Einkommen.
Der Eispreis hat Signalwirkung und prägt sich ein. Er ist mit dafür verantwortlich, dass die gefühlte Inflation deutlich höher ausfällt als die gemessene, allgemeine Inflation. Selbst wenn man nie Kugeleis kauft, so sieht man in der Stadt dennoch, wie viel eine Kugel Eis kostet; oder man liest es in der Zeitung oder hört die Beschwerden von Freunden. Man weiß, dass die Kugel früher viel günstiger war und denkt sich: Alles ist so viel teurer geworden!
Nun kann man sich über die gestiegenen Preise ärgern und in Erinnerungen schwelgen– aber was bringt das? Auch kann man analysieren, ob der Preis für die Kugel Eis gerechtfertigt ist und die Preissteigerungen wirklich auf Kostensteigerungen basieren. Dazu hatte UNITEIS in ironischer Form in seiner Stellungnahme von 2015 hingewiesen: „Wir schätzen die Deutschen gerade wegen ihres unbestrittenen Hangs zur Analyse und ihrer Fähigkeit, mathematisch wie auch nach Aspekten der Angemessenheit zu rechnen. Es ist daher an der Zeit, dass auch das Eiscafé langsam in diese Analysen der aktuellen wirtschaftlichen Wirklichkeit aufgenommen wird.“ Aber auch da stellt sich die Frage: Was bringt das? Wenn man zum Ergebnis kommt, dass man bei der Eisdiele über den Tisch gezogen wird und Eisdielen eine Goldgrube sind, wäre es nicht schlau, dass man selbst zum Unternehmer wird und eine Eisdiele eröffnet, hm?
