Finanzplattform Berantrex: mit Speck fängt man Mäuse. So sieht Betrug aus.

Man lässt sich zu einfach betrügen

In Apps, auf Facebook oder in Telegram: Es wimmelt von Werbung für vermeintliche Finanzprodukte und -dienstleistungen, deren einziges Ziel es ist, dir das Geld aus der Tasche zu ziehen. Vor einigen Tagen rief mich jemand an und erzählte mir aufgeregt, dass auf dem Handy ein Artikel angezeigt wurde:

„Sahra Wagenknecht beschuldigt Alice Weidel … Weidel hat Zugang zu einem Instrument, mit dem sie Millionen verdient … verschweigt sie vor allen … geheimes Gespräch zwischen Elon Musk und Weidel wurde ausgestrahlt … dürfen Menschen nicht erfahren … Plattform muss vom Netz genommen werden … Weidel hat Studio verlassen … Maischberger in der Sendung die Plattform probiert … automatisch Geld verdienen … 250 € überweisen … wenige Stunden nach Sendung wurde Aufnahme gelöscht … Chefredakteur der Tagesschau hat Plattform getestet und Bericht darüber geschrieben … Geld eingezahlt … Geld wird automatisch angelegt … anfangs Verluste … Algorithmus … dann hohe Gewinne … jederzeit auszahlbar … 4.000 € ausgezahlt … der Rest arbeitet weiter …“

Mit Speck fängt man Mäuse

Es klang wirr. Ich war mir nicht sicher, was von mir verlangt wurde. Ich unterbrach und fragte: „Willst du etwa schnell reich werden?“ Nein, das wollte die Person nicht. Sie war sich nicht sicher und wollte wissen, was sie von dem Artikel halten soll. Ich erklärte ihr, dass es besser sei, diesen Müll zu ignorieren. Es ist Abzocke, die so oder ähnlich funktioniert:

  1. Du meldest dich auf einer Internetseite an und bekommst einen persönlichen Zugang.
  2. Du überweist Geld.
  3. Dir wird vorgegaukelt, dass dieses Geld angelegt wird.
  4. In deinem Benutzerkonto wird dir eine fiktive Wertentwicklung der Anlage angezeigt.
  5. Die vermeintliche Anlage wird im Wert schwanken, aber in kürzester Zeit steigen.
  6. Vielleicht kontaktiert dich ein dubioser Berater und rät dir, dass du weiteres Geld investieren solltest.
  7. Du überweist mehr Geld. Deine Pseudo-Anlage steigt weiter.
  8. Willst du es dir auszahlen, wird von dir verlangt, dass du Gebühren dafür überweisen sollst: für Transaktionskosten, Einrichtungsgebühren, Genehmigungen oder aus anderen realitätsfernen Gründen.
  9. Du überweist das Geld oder auch nicht.
  10. Was dann kommt, spielt keine Rolle mehr. Du siehst das Geld nicht wieder. Es ist weg und die Plattform wahrscheinlich auch.

Profis ist das zu wenig

Die beschriebene Masche funktioniert, aber es geht besser. Perfider ist folgender Verlauf ab E:

  1. Du willst dir das gesamte Geld oder einen Teil davon auszahlen lassen.
  2. Du bekommst das Geld, auch wenn das deutlich mehr als die ursprüngliche Einzahlung ist. Bei den vermeintlichen ausgezahlten Gewinnen handelt es sich um Einzahlungen anderer Opfer.
  3. Das überzeugt dich und du denkst, dass es sich um eine seriöse Plattform handeln muss.
  4. Du überweist mehr Geld und wirbst im Freundes- und Bekanntenkreis für diese Betrugsmasche.
  5. Das funktioniert beim ersten, vielleicht auch beim zweiten Mal. Danach sind die eingezahlten Euros, die Plattform und die Plattformbetreiber verschwunden; und dein Freundeskreis ist kleiner geworden.

Die Seite ist weg, aber es gibt dutzende Kopien

Der Link zum Pseudo-Tagesschau-Artikel ist unter der Adresse nicht mehr erreichbar. Wahrscheinlich gibt es unzählige Kopien unter anderen Adressen. Für den dpa-Faktencheck wurde die Seite archiviert. Der Pseudo-Tagesschau-Artikel ist eine getarnte Werbung für eine „Finanzplattform“ namens Berantrex. Leider wird im dpa-Faktencheck nur das Datensammeln und der anschließende Daten-Missbrauch als Ziel dieser Masche beschrieben. Das greift zu kurz, denn die Nutzerdaten sind nebensächlich. Das Ziel ist das Geld der naiven „Kunden“ bzw. Opfer.

Große Versprechen, tolle Bewertungen, und kein Impressum

Die Seite sieht vielversprechend aus. 950 € täglich ist ein ansehnliches Zusatzeinkommen. Wer möchte das nicht? SAP-Mitbegründer und Milliardär Hasso Plattner sowie TV-Entertainer Klaas empfehlen die Plattform. Mehrere Nutzer stehen mit ihrem Portrait und Namen zur Seite und haben Top-Bewertungen abgegeben.

Wer dabei nicht schon stutzig geworden ist, wird wahrscheinlich auch nicht beim fehlenden Impressum stutzig werden. Eigentlich sollte es klar sein, dass sich solche Bewertungen schnell und einfach fälschen lassen. Man nimmt irgendwelche Fotos aus dem Internet, denkt sich Namen aus und schreibt einen netten Text dazu.

Aus Interesse habe ich den Fantasie-Kunden „Paul Dünenfeld“ gegoogelt und siehe da: Es gibt weitere dieser Finanzplattformen, auf denen das Gesicht, der Name und der gleiche Text verwendet wird.

Bei velminatex.com wurde nur der Plattformname ausgetauscht. Bei DuoAegisPro (duoaegistrade.com) hat man sich etwas mehr Mühe gegeben. Die Seite sieht anders aus, die Texte hingegen gleichen sich. Statt des Portraits von Klaas wird hier das von Stefan Raab für folgenden Fantasie-Text verwendet:

„Seit einigen Monaten investiere ich hier mein eigenes Einkommen. Die Plattform ist benutzerfreundlich, sicher und äußerst gewinnbringend. Sie lässt sich leicht bedienen und bietet exzellenten Support. Jetzt, da die Registrierung in Deutschland möglich ist, kann ich sie nur weiterempfehlen. Diese Plattform verändert alles.“

Und nun das Ganze in Bildern:

Es gibt keine hohe, sichere Rendite

Es ist immer wieder das Gleiche: Gier frisst Hirn. Leute fallen darauf herein, trotz dessen, dass der Betrug offensichtlich ist. Hohe und gleichzeitig sichere Renditen gibt es nicht (bzw. nur in Ausnahmefällen), auch nicht mit automatisierten Handelssystemen oder irgendwelchen geheimen, wissenschaftlichen Methoden. In den Ausnahmefällen von hoher, sicherer Rendite wird dafür nicht öffentlich geworben; sie kommt meistens zufällig, kurzfristig und mit Insiderwissen. Wenn ein Fremder dafür wirbt, handelt es sich höchstwahrscheinlich um Betrug. Auch für diesen Punkt haben sich Betrüger Floskeln überlegt: „Robin Hood … liebt Menschen … möchte, dass auch die kleinen Leute davon profitieren … usw.“ Blödsinn, und trotzdem fallen Leute darauf herein.

Zweiter Fall: Aktienempfehlungen am Telefon

Vor einigen Tagen bat mich eine andere Person zu meiner Einschätzung. Die Person wurde von einem „Berater“ angerufen, der ihr Schweizer Namensaktien eines nicht börsennotierten Unternehmens empfahl. Ihr schien das Angebot seriös und solide. Sie hat Geld übrig, dass sie investieren könnte.

Bloß nicht!

Ich finde es erschreckend, wie naiv einige mit ihrem Geld umgehen, selbst Leute, die BWL studiert haben und täglich mit Finanzen arbeiten. Beim Einkauf im Supermarkt wird sorgfältiger geprüft und nachgedacht als bei der Geldanlage. Man vergleicht Preise, greift bei Schnäppchen zu, studiert Zutatenlisten.

Kommt ein „Berater“ dahergelaufen, der sich seriös gibt und eine schöne Geschichte erzählt, dann verschwenden manche keinen Gedanken daran, dass es sich dabei um Betrug handeln könnte, oder ob es nicht zumindest sinnvollere Anlagemöglichkeiten gibt. Man spart monatelang, vielleicht jahrelang, Geld, um es gedankenlos und ohne Prüfung um Fenster herauszuschmeißen.

Ich fragte, woher mein Gegenüber die Person kennt:

„Na ja, ich habe vor sechs Jahren mal im Internet auf eine Werbung geklickt, die ich interessant fand. Dann wurde ich angerufen. Es ging um eine Beteiligung an einer Plantage. Da hab ich dann aber abgesagt. Und jetzt haben die sich wieder gemeldet und mir die Schweizer Namensaktien empfohlen.“

Da schrillen alle Alarmsirenen. Mindestens 8 rote Flaggen stecken in dieser Aussage:

  • Internetwerbung (meiner Erfahrung nach ist sie bei Finanzangeboten größtenteils dubios)
  • Beteiligung an einer Plantage (hochriskante Anlage)
  • Der letzte Kontakt vor 6 Jahren. (dürfen deine Daten so lange gespeichert werden?)
  • Früher empfahl man Plantagenbeteiligungen, nun Aktien. (was folgt als Nächstes?)
  • Aktienempfehlung: A) Das dürfen die nicht. B) Das ist eine hochriskante Anlage. C) Wer empfiehlt so etwas am Telefon, außer Betrüger? D) Schweizer Namensaktien eines nicht börsennotierten Unternehmens (LOL)

„Ach so. Na ja, ich dachte, das klingt interessant. Der Mann machte auch einen seriösen Eindruck“.

Welcher Betrüger sagt, dass er ein Betrüger ist? So funktioniert Betrug nicht. Betrüger geben sich seriös, stecken einigen Aufwand in ihre Maschen, erzählen interessante Geschichten und spielen mit der Angst und der Gier ihrer potenziellen Opfer. Betrüger sind Unternehmer und haben ein Geschäftsmodell. Je seriöser und aufwendiger der Auftritt, desto besser funktioniert es.

Wer Betrugsmaschen erkennt, schont langfristig sein Vermögen und seine Nerven.


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