Verpackung vom Börsenspiel von Ravensburger. Ein Brettspiel zum Thema Aktien und Börse.

Das Börsenspiel von Ravensburger: Mit Aktien spielerisch ein Vermögen aufbauen

Ich bin ein Fan des Börsenspiels. Ich habe es schon als Kind gespielt. Das Spiel wurde 1961 unter dem Namen „Broker“ in den USA veröffentlicht. Es war damals beliebt und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Ravensburger veröffentlichte eine deutsche Version im Jahr 1967. Mehrere Werbeversionen sind im Umlauf, u.a. von der Deutschen Bank. Meine Version stammt aus dem Jahr 1983. Vier verschiedene Aktien sind in dieser Ausgabe enthalten: Bayer, BP, Commerzbank und Salamander. Es gibt auch Versionen mit anderen Unternehmen oder auch mit fünf statt vier verschiedenen Unternehmen.

Im Wikipedia -Artikel zum Börsenspiel wird geschrieben, dass das Spiel von zwei amerikanischen Professoren mit den Namen Peter Murray und Steven Spencer erfunden und veröffentlich wurde. Beide haben 1973 mit Jockey ein weiteres Brettspiel erfunden und veröffentlicht. Auch dieses Spiel wurde populär. Es wurde in mehrere Sprache übersetzt und in Deutschland ebenfalls von Ravensburger vertrieben. Bei diesem Spiel geht es um Pferdewetten. Interessant finde ich, dass es zu beiden Spielen keine englischsprachigen Wikipedia-Artikel gibt. Zu den Erfindern Peter Murray und Steven Spencer habe ich umfassend recherchiert, aber keine weiteren Informationen im Internet gefunden.


So wird das Börsenspiel gespielt



Das Börsenspiel simuliert die Dynamik der Aktienmärkte in einem einfachen und strategischen Spielprinzip. Das Spiel besteht aus einer Kurstafel mit Markierungsstiften, Aktien von vier unterschiedlichen Unternehmen, Geld und Risiko- und Aktionskarten. Jeder Spieler startet mit einem Grundkapital und Aktionskarten auf der Hand. Die anderen Risiko- und Aktionskarten liegen verdeckt zusammen auf einem Stapel.

Das Spiel geht reihum. Der Spieler, der am Zug ist, muss eine Aktionskarte ziehen und eine ausspielen. Wird eine Risikokarte gezogen, muss diese sofort ausspielt werden an Stelle einer Aktionskarte. Mit der ausgespielten Karte werden die Aktienkurse um die angegebenen Werte verändert. Dabei steigt die Aktie eines bestimmten Unternehmens, während eine oder manchmal auch alle drei anderen Aktien fallen. Die Kursveränderung der Aktien ist dabei entweder relativ (Verdoppelung oder Halbierung) oder absolut (+100, -10, -50, …)

Das Börsenspiel mit Kurstafel, Markierungsstiften, Aktions- und Risikokarten sowie Geld und Aktien.

In der einfachen Spielweise entscheidet sich ein Spieler bei seinem Zug, ob er eine Aktionskarte ausspielt oder Aktien kauft bzw. verkauft. Wird nach den Regeln für Fortgeschrittene gespielt, kann ein Spieler nach dem Auslegen der Aktionskarte auch noch Aktien kaufen oder verkaufen. Bei Spielbeginn liegen die Aktienkurse aller Unternehmen bei 100. Mit den Aktions- und Risikokarten werden die Kurse im Bereich zwischen 10 und 250 bewegt. Fällt der Kurs einer Aktie unter 10, müssen die Aktionäre Strafe zahlen. Steigt der Kurs über 250, erhalten die Aktionäre den übersteigenden Betrag als Dividende. Taktik und Psychologie spielen eine entscheidende Rolle in diesem Spiel. Wer früh erkennt, welche Trends sich abzeichnen, kann gezielt Aktien kaufen, um von zukünftigen Gewinnen zu profitieren; oder Aktien verkaufen, um fallende Kurse und Verluste zu vermeiden. Das Spiel endet, wenn alle Karten ausgespielt sind. Derjenige gewinnt, der am Ende das größte Vermögen bestehend aus Geld und Aktien aufgebaut hat. Auf der Webseite von Ravensburger ist eine Kopie der Anleitung abgelegt.

Börsenpsychologie erleben

Die Gruppendynamik fasziniert mich an diesem Brettspiel am meisten. Der Spieler gewinnt, der am Ende das höchste Vermögen besitzt. Die Vermögensentwicklung der Spieler ist einerseits von den eigenen Aktionskarten und von den Aktienkäufen und Verkäufen abhängig. Andererseits wird die Vermögensentwicklung maßgeblich vom Handeln der anderen Spieler beeinflusst. Wer das Verhalten der Gegenspieler also richtig einschätzt und entsprechend handelt, profitiert davon.

Kauft ein Spieler zum Beispiel im großen Stil Commerzbank-Aktien, dann könnten die anderen Spieler daraus den Schluss ziehen, dass er entsprechende Aktionskarten hält und den Kurs der Commerzbank in den nächsten Runden nach oben treiben wird. Da die anderen Spieler davon profitieren möchten, kaufen sie auch Commerzbank-Aktien. Das kann zu einem eindrucksvollen Herdenverhalten führen: Da kauft jeder Spieler Runde für Runde Commerzbank-Aktien, weil die anderen diese Aktie kaufen und jeder denkt, dass die anderen entsprechende Aktionskarten haben. Manchmal stellt sich das als großer Irrtum heraus, weil niemand positive Aktionskarten für die Commerzbank hat. Die Aktie wurde nur gekauft, weil ein anderer sie gekauft hat. Am Ende kann sich keiner daran erinnern, wer mit den Käufen angefangen hat und warum. Ein ähnliches Herdenverhalten lässt sich oft an der Börse beobachten: Die Hausse nährt die Hausse!

Wir machen uns gegenseitig fertig oder gewinnen zusammen

Interessant ist beim Börsenspiel auch, wie verschieden die Spiele ablaufen können. Ich habe Spiele gespielt, da hat einer dem anderen nichts gegönnt. Das Ziel jedes Spielers war nicht die eigene Vermögensmaximierung, sondern die Minimierung der Vermögen der Gegenspieler. Es wird geblufft, um sich gegenseitig fertig zu machen. Der eigene Verlust wird dabei in Kauf genommen, sofern die anderen mehr verlieren. Am Ende des Spiels hatten alle weniger als das anfängliche Grundkapital.

Bei anderen Spielen hingegen haben alle Spieler versucht ihr Vermögen zu Maximieren, ohne den anderen bewusst Verluste zu bescheren. Am Ende solcher Spiele hatten alle ein Vielfaches des Grundkapitals erspielt. Alle sind so reich geworden, dass die Aktien und das Spielgeld fast vollständig unter den Spielern verteilt waren. Diese Spielweise ist sicher motivierender, wenn es darum geht, die Mitspieler für die Geldanlage zu begeistern. Auch wenn man verliert, ist es ein Erfolgserlebnis, wenn man aus den anfänglichen 1.000 Mark ein Vermögen von mehrere Hunderttausend Mark in Geld und Aktien erspielt hat.

Die Spieler starten mit 1.000 Mark. Anfangs kann man sich nur wenige Aktien leisten. Im Laufe des Spiel werden es immer mehr. So macht das Spiel Spaß!

Was kann man vom Börsenspiel über die Börse lernen?

Das Spiel ist einfach gestaltet. Es wäre übertrieben zu behaupten, dass man mit dem Börsenspiel ein erfolgreicher Aktionär wird oder etwas über die komplexen Zusammenhänge der Wirtschaft und der Börse lernen kann. Dennoch lässt sich einiges zum Thema Börse mit dem Spiel erfahren und lernen.

Börsenpsychologie, Emotionen und Durchhaltewillen

Am Börsenspiel fasziniert mich besonders die psychologische Komponente. Emotionen wie FOMO (Fear of Missing Out), Angst, Gier und Herdenverhalten prägen das Spielgeschehen und spiegeln die Realität an der Börse wider. Die Spieler erleben, wie schnell sich Gewinne in Verluste verwandeln können. So manches Spiel erinnert an die turbulenten Zeiten des Neuen Marktes Ende der 1990er bis Anfang der 2000er mit der Euphorie über exorbitante Gewinne und anschließender Panik und Ernüchterung, als die Kurse ins Bodenlose fielen. Außerdem verdeutlicht das Börsenspiel, dass Börsenerfolg Geduld und Durchhaltevermögen erfordert. Oft kauft man Aktien scheinbar günstig, nur um zuzusehen, wie sie weiter an Wert verlieren. Doch wer genug Ausdauer und Kapital besitzt, kann schließlich spektakuläre Gewinne einfahren. Diese Dynamik macht das Börsenspiel nicht nur spannend, sondern auch lehrreich für jene, die die Psychologie der Börse verstehen möchten.

Diversifikation

Das Börsenspiel vermittelt auch die Bedeutung von Diversifikation. Wer sein Vermögen gleichmäßig auf alle vier Aktien verteilt, verringert das Risiko, alles zu verlieren. Die Ergebnisse sind ausgeglichener und die Schwankungen des Vermögens fallen moderater aus. Setzt man hingegen alles auf die Aktien eines einzigen Unternehmens, winken zwar potenziell höhere Gewinne – allerdings nur, wenn alles nach Plan läuft und das Glück mitspielt. Ändert sich die Marktlage jedoch unerwartet, kann das Vermögen schnell dahinschmelzen.

Zinseszinseffekt

Der Zinseszinseffekt wird häufig unterschätzt. Im Börsenspiel lässt sich das Wunder des Zinseszinseffekts beziehungsweise dessen Auswirkung im Schnelldurchgang erfahren.

Drei Aktionskarten und eine Risikokarte. Ein Segen für Commerzbank-Aktionäre. Das Fragezeichen bedeutet, dass der Spieler den Kurs einer beliebigen Aktie ändern kann.

Du kaufst 100 Commerzbank-Aktien beim Kurs von 10 für insgesamt 1.000 Mark. Das Glück ist auf deiner Seite. Reihum werden positive Aktionskarten ausgelegt. Mit der ersten Aktionskarte steigt der Kurs um 100 auf 110. Mit der nächsten Aktionskarte wird der Kurs auf 220 verdoppelt. Danach folgt eine weitere Verdoppelung auf 440. Weil die Kurstafel bei 250 endet, wird die Differenz von 190 in Form einer Dividende ausgezahlt. Du erhältst 19.000 Mark als Dividende. Danach zieht ein Spieler eine Risikokarte, die zu einer weiteren Dividende von 60 pro Aktie führt. Du bekommst du 6.000 Mark ausgeschüttet.

Deine anfängliche Investition von 1.000 Mark hat sich verfünfzigfacht: Deine Commerzbank-Aktien stehen bei 250 und sind 25.000 Mark wert sind; zudem hast du 25.000 Mark als Dividende erhalten. Das macht glücklich.

Nun ist das Spiel noch nicht zu Ende. Die ausgeschüttete Dividende kannst du in Aktien reinvestieren, die niedriger notieren, in der Hoffnung, dass sie im Wert steigen. Auch könntest du deine Commerzbank-Aktien verkaufen und dafür günstigere Aktien kaufen.

Kopfrechnen

Verzichtet man auf den Taschenrechner, fördert das Börsenspiel die Kopfrechenfähigkeiten. In jeder Runde müssen aufgrund von Kursänderungen sowie Käufen und Verkäufen ständig Zahlen addiert, subtrahiert, multipliziert oder dividiert werden.

Mit dem Börsenspiel die Begeisterung für Aktien wecken

Das Börsenspiel ist ein Klassiker unter den Wirtschaftsspielen und verdient einen festen Platz in der Spielesammlung. Zwar vermittelt es nur rudimentäres Finanzwissen, doch bietet es eine Grundlage, um tiefergehende Finanzthemen zu vermitteln. Seine besondere Stärke liegt in der Darstellung der Börsenpsychologie und der damit verbundenen Emotionen – Aspekte, die beim Investieren eine entscheidende Rolle spielen. Durch die spielerische Auseinandersetzung kann man andere mit dem Börsenfieber anstecken, Begeisterung für die Börse wecken und die Welt der Geldanlage erlebbar machen. In der Familie gespielt, eignet es sich hervorragend, um auch Kinder für die Börse und das Investieren zu interessieren. Das Börsenspiel ist nur noch gebraucht erhältlich ist und wird für 5 bis 20 Euro angeboten. Das ist eine überschaubare Investition für ein Spiel, das finanzielle Bildung und Unterhaltung gelungen vereint.


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