Meine Festplatte ist voll. Entweder muss ich Daten löschen oder eine neue Festplatte kaufen. Ich habe geschaut, wie viel aktuell eine externe Festplatte kostet. Ich war etwas irritiert. Die Festplatte, die ich vor einigen Jahren gekauft hatte, kostet heute genauso viel wie damals. Fast so, als ob es keinerlei technischen Fortschritt gegeben hätte. Den gab es natürlich, aber die Preise von Festplatten (Massenspeicher) steigen seit einigen Monaten kontinuierlich. Arbeitsspeicher (RAM) ist noch viel stärker im Preis gestiegen als Masenspeicher: Aktuelle RAM-Bausteine haben sich in den letzten vier Monaten im Preis ungefähr vervierfacht, wie der Artikel von computerbase.de oder die Preistrends bei pcpartpicker.com zeigen.
Verantwortlich dafür sollen die KI‑Investitionen der Hyperscaler sein. Ihre enorme Nachfrage nach Arbeitsspeicher und auch Massenspeicher bindet mittlwerweile einen großen Teil der verfügbaren Fertigungskapazitäten der Speicherchip-Hersteller. Die Hersteller haben diese Großkunden priorisiert. In der Folge wird weniger für den Massenmarkt produziert. Die Lager haben sich geleert und die Preise explodieren. Mehr dazu ist in einem Artikel von IDC zu finden.
Die Screenshots von Google Finanzen zeigen die relative Entwicklung der Aktienkurse der letzten fünf Jahren von Massenspeicher- und Arbeitsspeicher-Herstellern. Seagate Technology, Western Digital, SanDisk und Kioxia Holdings sind börsengelistete Hersteller von Massenspeicher. Samsung, Electronics SK Hynix und Micron Technology sind die größten Hersteller von Arbeitspeicher. Die Kursentwicklung in den letzten Monaten ist beeindruckend. Samsung hängt hinterher, weil die Herstellung von Arbeitsspeicher nur ein Geschäftsbereich von vielen ist.


Verschiedenen Aussagen zu Folge soll der Engpass der Speicherchips noch zwei Jahre anhalten. Manche Quellen berichten gar von vier oder mehr Jahren. Mindestens ein Teil der zukünftigen Gewinne sind in den Kursen der Hersteller schon eingepreist. Ob die Kurse also weiterhin so steigen werden? Ich weiß es nicht. So stark wie es in den letzten Monaten mit deren Kursen bergauf gegangen ist, wird es vielleicht irgendwann auch wieder bergab gehen. Der Langfristchart von Western Digital zeigt exemplarisch die Schwankungen solcher Unternehmen – wobei mich wundert, dass der Kurs nicht noch stärker schwankte. Die Kursrückgänge sind gegenüber anderen zyklischen Branchen noch moderat. Dass das aktuelle Marktumfeld eine Ausnahmeerscheinung darstellt, zeigt der raketenhafte Kursanstieg der letzten Monate.

Die Branche ist nichts für schwache Nerven. Sie wird nicht selten als Beispiel für Schweinezyklen verwendet: Wenn die Nachfrage hoch ist und die Produktion nicht hinterherkommt, generieren die Hersteller hohe Gewinne. Sie investieren und erweitern ihre Kapazitäten. Sinkt die Nachfrage anschließend, bleiben sie auf ihrer Ware sitzen und können ihre Kapazität nicht auslasten. Sie rutschen in die Verlustzone. Im Massenmarkt war das zuletzt während und nach Corona der Fall. Während Corona haben viele Büro-Angestellte im Homeoffice gearbeitet. Die Nachfrage nach Notebooks und anderer Computertechnik war enorm. Es kam zu Engpässen und Preissteigerungen. Spätestens 2023 hat sich das gedreht. Leute waren eingedeckt mit neuer Technik und die Nachfrage ist eingebrochen. Ich vermute, dass auch der aktuelle Investitionszyklus der KI-Hyperscaler irgendwann vorbei sein wird. Spätestens dann wäre es vielleicht eine Überlegung wert, die Aktien zu verkaufen und die Gewinne zu sichern. Wahrscheinlich werden die Aktien dieser Unternehmen schon bei den ersten Zweifeln stark nachgeben. Man darf gespannt sein.
