In einem LinkedIn-typischen Beitrag schrieb vor einigen Tagen jemand, weswegen er lieber „Premium-Dübel“ zur Befestigung seiner 2.500 € Lautsprecher verwendet als die mitgelieferten, einfachen Dübel. Das Risiko sei zu groß, dass durch die Verwendung der einfachen Dübel die Befestigung nicht hält, der Lautsprecher herunterfällt und im schlimmsten Fall noch das eigene Kind erschlägt. Das Ganze war natürlich eine Werbung – verpackt in einer Metapher – für die eigene Dienstleistung, die mit Dübeln, Befestigungen und Lautsprechern nichts zu tun hatte.
Solche Beiträge kommen auf LinkedIn gut an. In den sozialen Netzwerken punktet man mit einfachen Inhalten, auch wenn sie stumpfsinnig sind. In dem Fall geht die eigentliche Gefahr nicht vom Dübel aus. Das Risiko liegt im eigenen, unbewussten Unwissen kombiniert mit der vermeintlichen Sicherheit, die man sich einbildet, wenn der scheinbar bessere (da auffällig aussehende) „Premium-Dübel“ gewählt wird.
In Bezug auf eine sichere Wandbefestigung ist die Auswahl des Dübels nur eine von vielen Bausteinen. Der im LinkedIn-Beitrag gezeigte, vermeintlich bessere „Premium-Dübel“ war ein Universaldübel. Je nach Wand gibt geeignetere Dübel, die noch dazu günstiger sein können (wobei auch der „Premium-Dübel“ nur ein Cent-Produkt ist). Ob sie einfacher aussehen, spielt in Bezug auf die sichere Befestigung keine Rolle.
Für eine sichere Befestigung sollte alles zueinander passen: geräteseitiger Befestigungspunkt, Wand, Dübel, Bohrung und Schraube, darunter insbesondere die jeweiligen Durchmesser und die Längen. Auch das handwerkliche Geschick und die eingesetzten Werkzeuge sind wichtig. Ein Dübel kann technisch noch so ausgefeilt sein: Wenn er nicht zur Wand passt, die Schraube zu kurz, zu dick oder zu dünn ist, das Bohrloch zu groß oder ausgeleiert ist, usw., dann kann der Dübel nicht leisten, was er soll. Erfahrungsgemäß werden Dübel und Schrauben eher überdimensioniert (sicher ist sicher!), erreichen aber dennoch nicht ihr Potenzial, weil alles nicht aufeinander abgestimmt ist oder die Bohrung zu groß, ausgeleiert oder schief ist oder das Bohrloch nicht gereinigt wurde. Auch wenn der Schraubenantrieb (z. B. Kreuzschlitz, Pozidriv oder Torx) beim Eindrehen der Schraube ausleiert oder die Schraube abreißt, suchen Heimwerker die Ursache oft beim Dübel. Viel häufiger liegt die Ursache aber im Unwissen der Heimwerker.
Nun könnte auch dieser Beitrag als Metapher dienen: Unbewusstes Unwissen (im schlimmsten Fall gepaart mit Überheblichkeit) ist ein gängiges Risiko bei der Geldanlage und im Vermögensaufbau. Es gibt Unterschiede zwischen Dübeln, auch in der Qualität. Den „besten Dübel“ gibt es aber nicht. Genauso wenig gibt die beste Anlageform oder beste Aktie, beste Anleihe, besten ETF, Fonds oder Versicherung. Es kommt immer auch auf die persönlichen Umstände an, darunter die Finanzsituation, die Risikotragfähigkeit und -toleranz, Anlageziele und Bedürfnisse. Die gilt es zu berücksichtigen; genauso wie die Wand bei der Dübelwahl.
Nachfolgend gibt es noch Links zu weiterführenden Informationen, die für diejenigen aufschlussreich sein könnten, die hin und wieder Dinge an die Wand bringen und sich dazu noch nie Gedanken gemacht haben:

Kommentare
Eine Antwort zu „Auch der beste Dübel kann unpassend sein: unbewusstes Unwissen als Risiko“
[…] liegen: Es ist ein Unterschied, ob man weiß oder nur meint, zu wissen, siehe einer meiner letzten Beiträge und auch Dunning-Kruger-Effekt. Jüngere (und vornehmlich Männer) neigen zur […]