Zum Thema Einfamilienhaus (EFH) wird viel geträumt und die Realität geschönt. Die Nachteile spielen oft keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Gefühle wiegen bei Entscheidungen stärker als rationale Überlegungen. Und so kommt es vor, dass Besitzer von Einfamilienhäusern über ihren finanziellen Verhältnissen leben und das EFH das Leben diktiert, weil der Kredit abbezahlt werden muss oder wichtige Instandhaltungen sich auftürmen. Wenn das eigene Haus zum Albtraum wird, gesteht man sich das nicht ein, weil es das eigene Lebenskonzept infrage stellen würde und die Hürde zu hoch ist, wieder in eine Wohnung zu wechseln.
Selbst wenn man ein Einfamilienhaus mit 100 % Eigenkapital kauft: Die Betriebskosten und der zeitliche Aufwand werden oft unterschätzt und bleiben dauerhaft. Eigentum verpflichtet! Ein Eigenheim ist viel mehr Konsum als es eine Investition ist. Kreditvermittler und Makler sehen das natürlich anders. Die argumentieren damit, dass das Eigenheim einen Wert hat, der mit der Zeit sogar steigt oder zumindest die Inflation ausgleicht. Dieses Betongold-Märchen gilt allerdings nur für attraktive Regionen und Lagen, für „zeitlos“ gestaltete Häuser und unter der Voraussetzung, dass das Haus instandgehalten wird. Zudem setzt es voraus, dass für potenzielle Käufer die Zinsen für die Finanzierung und die regulatorischen Rahmenbedingungen attraktiv sind.
Bei einem Haus fällt immer etwas an, das repariert oder ersetzt werden muss.
Ist zum Beispiel die Heizungsanlage defekt, muss ich mich als Eigentümer eines Eigenheims darum kümmern. Das kostet Zeit und Nerven. Es kommen Kosten auf mich zu, die ich nicht mit der Portokasse bezahle. Wenn die Heizungsanlage im Mietshaus mit 50 Wohneinheiten einen Defekt hat, bekomme ich das als Mieter im besten Fall noch nicht einmal mit: Irgendjemand ruft die Hausverwaltung an und die kümmert sich darum. Auch von den Kosten bekomme ich als Mieter nichts mit – die trägt der Eigentümer. Indirekt zahle ich sie über die Miete, aber über Jahre verteilt und nur anteilig, weil ich nicht alleine im Haus wohne, sondern zusammen mit bis zu 49 anderen Mietparteien. Mein Vermieter wird mir also keine Rechnung über 13.269 € für die Heizungsreparatur ausstellen – aber der Heizungsbauer meines Einfamilienhauses wird es.
Eine neue Heizungsanlage im Einfamilienhaus kostet – je nach Art und Größe – so viel, wie ich in ein bis vier Jahren an Miete für meine kleine Wohnung zahle. Diese Heizung funktioniert dann hoffentlich 15 bis 30 Jahre. Aber dabei bleibt es nicht: Fassade ausbessern, Wände streichen, neuer Fußboden, Dachreparaturen, neue Fenster, Heizungsrohre oder Wasserleitungen reparieren, usw. Je größer das Haus ist, desto öfter fallen irgendwelche Arbeiten an und desto teurer sind sie in Summe. Dafür werden vier bis fünfstellige Beträge fällig, für die man Rücklagen bilden muss. Richtig hässlich wird es, wenn ein Straßenbaubeitrag gefordert wird, der aktuell noch in fünf Bundesländern erhoben wird. Manche Eigentümer sind völlig perplex, wenn die Kommune tausende Euro von Ihnen für den Straßenausbau vorm Haus verlangt.
Ja, der Vergleich zwischen kleiner Wohnung und Haus hinkt, weil die Wohnfläche beim EFH viel größer ist. Dass ein großes Haus mehr Fläche und andere Annehmlichkeiten bietet als eine kleine Wohnung, ist klar; und nicht Thema meines Anliegens. Auch ist es nicht mein Anliegen, zu beurteilen, ob ein Haus oder eine Wohnung mehr Lebensqualität bietet. Jeder hat andere Vorstellungen und Bedürfnisse, sodass eine allgemeine Beurteilung ohnehin schwierig bis unmöglich ist. Mir geht es hier nur um die Kosten; und da sollte die Feststellung trivial sein, dass eine kleine Wohnung an Miete oft weniger kostet als die reinen Betriebs- und Instandhaltungskosten eines Hauses. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass es viele gibt, die sich über den Aufwand an Zeit und Geld nicht im Klaren sind. In deren Rechnung werden unter anderem die Betriebs- und Instandhaltungskosten überhaupt nicht oder nur teilweise betrachtet. Von Anfängern wird nicht selten sogar nur die Zinszahlung der Miete gegenüber gestellt, was gänzlich irreführend und falsch ist.
Die Wohnfläche eines EFH ist oft ein mehrfaches höher als die Wohnfläche der letzten Wohnung. Aus diesem Grund ist das EFH auch als Konsumausgabe anzusehen. Man gönnt es sich; man braucht es aber eigentlich nicht. Tendenziell wird zu groß gebaut und mit allerhand Schnickschnack, den man nie oder nur selten benötigt. Keller und Dachboden werden als Lager für Gerümpel verwendet und den Whirlpool hat man in 20 Jahren dreimal benutzt. Auf dem Balkon hat man noch nie gesessen, weil es auf der Terrasse viel schöner ist. Und obwohl man nie Besuch bekommt, hat man ein Gästezimmer und ein Gästebad. Was man hat, das hat man. Und das kostet richtig Geld, dass bereitwillig bezahlt wird, ohne dass man vorher darüber nachgedacht hat, ob man das Geld nicht hätte sinnvoller verwenden können, zum Beispiel als zusätzliche Altersvorsorge, um 10 Jahre früher in Rente zu gehen.
Michael Jacksons Betriebs- und Instandhaltungskosten für die Neverland-Ranch sollen übrigens um die 5 Millionen Euro pro Jahr betragen haben.

Auch Zeit ist Geld: Der zeitliche Aufwand wird unterschätzt.
Je größer die Wohnfläche ist, desto mehr muss geputzt und repariert werden. Ebenso verlangt ein schöner Garten viel Arbeitszeit.
Ich kenne ein Ehepaar mit einem Wintergarten an ihrem Einfamilienhaus. Den Wintergarten haben sie vor über einem Vierteljahrhundert angebaut. Er sieht immer noch aus wie eine Baustelle. Nach wie vor sind an der Decke die Neonröhren befestigt, die für den Bau vor 27 Jahren provisorisch befestigt wurden; die Kabel hängen herunter, die Wände sind unverputzt und es ist kein Fußboden verlegt.
Die Frau regt sich regelmäßig darüber auf. Am Geld mangelt es nicht. Das Paar besitzt mehrere Immobilien und ist vermögend. Der Mann ist mit einem eigenen Handwerksbetrieb erfolgreich. Er vergibt die Arbeit für den Ausbau des Wintergartens nicht fremd, weil er genau solche Arbeiten mit seinem Betrieb erledigt. Aber anscheinend hat er weder Zeit noch Lust dazu, seinen Wintergarten fertig zu stellen. Über die Jahre gewöhnt man sich an solche Zustände …
Das Beispiel ist meiner Erfahrung nach kein Einzelfall. Ich kenne viele Einfamilienhausbesitzer, die mit ihrem Haus und Garten überfordert sind; die keine Lust und Zeit dafür haben; die keine ausreichenden Rücklagen für Instandhaltungen haben oder kein ausreichendes Einkommen, um sich eine Haushalts- oder Gartenhilfe leisten zu können. Selbst im Kleingartenverein unterschätzen viele Neulinge den Aufwand für die Pflege des Gartens und des Häuschens.
Neben den vielen schönen Dingen, die ein eigenes Haus versprechen, sollten auch die damit einhergehenden Verpflichtungen wohlüberlegt werden. Ein eigenes Haus kann auch ein Klotz am Bein sein. Es kann dich auch versklaven und dir den Schlaf rauben. Der Kauf eines Einfamilienhauses basiert oft rein auf emotionalen Beweggründen. Für viele ist es die größte finanzielle „Investition“ ihres Lebens, die auch nach dem Erwerb noch erhebliche Kosten und Zeit in Anspruch nimmt. Das sollte meiner Meinung nach gut durchdacht, besprochen und bestenfalls erprobt werden.
