Vor einigen Jahren wurde mir bei Facebook ein Beitrag einer bekannten Zeitung vorgeschlagen. Darin wurde ein bekannter Frugalist (Oliver von frugalisten.de) mit seinen monatlichen Ausgaben für Lebensmittel vorgestellt. Die lagen bei ca. 100 €.
Unter dem Beitrag versammelte sich der Facebook-Pöbel mit Kommentaren dieser Art:
- Das sei nicht möglich und wäre gelogen.
- Der Typ nage doch am Hungertuch.
- Er würde jeden Tag nur Nudeln essen.
- Dafür sei man sich zu schade.
- Man lebt nur einmal. Was soll der Geiz?
- Willkürliche Beleidigungen ohne Bezug zum Thema.
Meine Ausgaben für Lebensmittel lagen damals ebenfalls bei ca. 100 €. Trotz Inflation sind sie aktuell sogar niedriger. Und wie auch Oliver hungere nicht. Ich ernähre mich abwechslungsreich und vergleichsweise gesund.
Bei den Kommentaren unter dem Artikel dachte ich damals folgendes:
- Lass den Pöbel Pöbel sein.
- Statt zu fragen und zu lernen meckern die Leute und regen sich auf.
- Warum regen sich die Leute darüber auf?
Im Bild habe ich meine Kosten für Lebensmittel im Jahr 2024 dargestellt. Von Januar bis Mai haben meine Freundin und ich jeweils durchschnittlich 128 € für Lebensmittel pro Monat ausgegeben. Ab Juni lagen die Ausgaben deutlich niedriger. Juni bis Dezember haben wir durchschnittlich nur noch 59 € pro Person ausgegeben.
Der Facebook-Pöbel würde mich dafür jagen.
Darum sind unsere Ausgaben für Lebensmittel so niedrig.
Wir kaufen in nahgelegenen Supermärkten. Wenn uns beim Einkaufen Angebote anlächeln, nehmen wir sie gerne mit und passen unseren Speiseplan an. Markenprodukte kaufen wir nur, wenn sie preislich nicht deutlich teurer sind als die Alternativen. Wir haben unsere Bezugsquellen: Gewürze sind z. B. auf dem Markt deutlich günstiger als im Supermarkt.
Preisvergleiche machen wir nicht; auch schauen wir keine Prospekte an. An Payback oder Treueaktionen nehmen wir nicht teil. Das ist uns zu lästig.
Zu Hause ernähre ich mich überwiegend vegetarisch oder vegan. Wir kochen fast alles selbst. Tiefkühlpizza ist eines der wenigen Fertiggerichte, die wir essen.
Erdbeeren oder Heidelbeeren kommen uns im Winter nicht auf den Tisch. Wir kaufen, was gerade Saison hat. Im Sommer und Herbst ernten wir in unserem Garten Obst, Gemüse und Kräuter. Die Mengen sind überschaubar. Zucchini gab es aber im Überfluss.
Wir kochen größere Portionen, sodass wir mehrere Mahlzeiten davon haben. Wir verarbeiten Lebensmittel zu Marmeladen, Kompott oder herzhafte Aufstriche. Im Winter fermentieren wir Kohl zu Sauerkraut oder Kimchi.
Mittlerweile mische ich auch mein Müsli selbst. Das hat sich daraus ergeben, dass ich viele Körner und Trockenfrüchte übrig hatte. Sesam verwende ich z. B. für asiatische Gerichte; die 500 g Packung bekomme ich damit allein aber nicht leer.
Wir kontrollieren regelmäßig unsere Vorräte und verwerten sie. Wir entsorgen kaum Lebensmittel.
Meistens trinken wir Leitungswasser. Seltener auch ausgepresste Zitrusfrüchte, Saft, Limo, Bier oder Wein. Unser Teekonsum ist hoch. Hochwertige schwarze Tees lasse ich mir zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken. Kräutertee brühen wir aus Gartenkräutern auf.
Ab Juni hatten sich unsere Kosten fast halbiert. Der Grund dafür ist foodsharing.de. Eine Freundin bringt uns regelmäßig gerettete Lebensmittel vorbei. Wir retten zur Zeit nicht, sind aber organisatorisch tätig. Der Hauptgrund unseres Engagements ist nicht die Ersparnis, sondern der Umweltaspekt. Wir wollen Lebensmittel vor der Tonne bewahren und Lebensmittelverschwendung reduzieren.
Im letzten Jahr waren wir zwei Mal mit foodsharing auf Festivals. Ein halbes Jahr später haben wir immer noch 20 Liter Dosenbier. Die Dosen haben wir nach dem Ende des Festivals von der Campingwiese gesammelt. Wir fanden es erschreckend, wie viel zurückgelassen wurde.
Unsere Ausgaben für Lebensmittel sind auch deswegen niedrig, weil wir Zeit investieren. Hätten wir keine Freude daran, müssten wir sicher mehr für Lebensmittel ausgeben. Oliver hat auf seinem Blog 2016 einen Beitrag zu seinen Lebensmittelausgaben veröffentlicht. Darin hat er einige Rezepte mit Preis- und Nährwertangaben vorgestellt. Der Artikel ist lesenswert für diejenigen, die Freude am Selbermachen und Geld sparen haben.
